Forscher der Stanford University und des Poynter Instituts arbeiten seit 4 Jahren an einem gemeinsamen Projekt, um Erkenntnisse über den Umgang mit Online-News zu gewinnen. Schlüsselinstrument für ihre Untersuchung ist die Verfolgung und Aufzeichnung der Augenbewegungen (Eyetracking).
Eyetracking gibt präzisere Aussagen über das Erfassen eines Screeninhalts als nachträgliche Interviews, die zu sehr vom Gedächtnis der Testpersonen abhängen.
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Teilnehmerin mit Mess-Kopfaufsatz
"Wo genau gehen die Leser hin, um ihre News abzurufen? Welche Artikel lesen sie, welche überfliegen sie, welche ignorieren sie? Lesen sie nur Überschriften und Zusammenfassungen oder komplette Artikel? Wenn Sie zu einer verwandten Story weiterklicken, kehren sie zur Ausgangsseite zurück?" Dies waren die Fragen, die sich die Forscher zu Beginn des Projekts stellten. Dass sie darüber hinaus zu weiteren, unerwarteten Erkenntnissen kamen, lesen Sie weiter unten.
Die eigens hierfür an der Stanford University entwickelte Software zeichnet sowohl die Augenbewegungen als auch den jeweiligen Screeninhalt zur späteren Analyse auf einen Computer auf. Die betrachteten Screens wurden nachträglich in verschiedene Kriterien eingeteilt: Nach Formaten (Überschriften, Navigation, Artikel, Zusammenfassungen, Fotos etc.), nach Themen, nach Aktionen (Klicks, Pfeiltasten, Eingaben etc.) nach Visit und nach der auf den jeweiligen Sites bzw. Seiten verbrachten Zeit.
Dabei wurden unter anderem folgende Werte ermittelt:
Summe der Testpersonen: 67
Summe der aufgerufenen Newsprovider: 211
Summe der Visits dieser Provider: 426
Summe der Providervisits inklusive Revisits: 610
Summe der aufgerufenen Seiten: 5.963
Summe der Online-Stunden während der Untersuchung: 40
Summe der Augenfixationen: 608.063
Summe der Mouseklicks: 24.530
Eine Grunderkenntnis dieser Studie wurde uns von Lesern immer wieder bestätigt: In allen Online-Lesesitzungen waren Grafiken und Fotos weniger interessant als Texte. Von allen Grafiken (außer Bannerwerbung und Fotos), die den Testpersonen während einer Sitzung erschienen, wurden nur 22% fixiert. Bannerads erreichten eine Fixation von 45% (wobei anzumerken bleibt, dass die Sichtzeit bei durchschnittlich 1 Sekunde lag; lang genug also, um die Werbung bewusst zu machen) und Fotos kamen gar auf 64%. Aber diese Zahlen liegen hinter denen für Artikel-Kurzübersichten und Artikel, die 82 resp. 92% erreichten. Hier die Zahlen im Überblick:
Komplette Artikel 92%
Artikel-Kurzübersichten 82%
Fotos 64%
Bannerwerbung 45%
Grafiken 22%
Neben dieser mehr oder weniger hohen Aufmerksamkeit für Fotos oder Grafiken im ersten Blickfeld einer Seite gab es eine eindeutige Antwort auf die Frage nach der Seitenlänge für Texte: Leser scrollen durchaus nach unten, um mit einem Artikel oder auch nur Auswahl-Überschriften fortzufahren.
Übrigens war es nicht Ziel der Untersuchung, die Frage Text versus Grafiken zu beantworten. Erwartet wurden vielmehr Aussagen darüber, welche Seitenabschnitte (z. B. oben rechts, oben links etc.) die erste Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Und so fragen die Forscher auch die "Design Community": "Was sagen uns die Ergebnisse dieser Studie über die effektivste Seitengestaltung? Welche zukünftigen Untersuchungen sollten gemacht werden, um diesen ersten Realitäts-Check zu testen und zu überprüfen?"







