Memotechniken sind uralte Gedächtnisverfahren, deren Ursprung auf die Antike zurückgeht. Es gibt verschiedene Verfahren in der Memotechnik, alle haben jedoch gemein, dass die Gedächtnisleistung durch eine Assoziation der einzuprägenden Wörter, Sätze oder Zusammenhänge mit bildhaften Vorstellungen gesteigert wird. Interessanterweise beruht der Erfolg von Memotechniken gerade darauf, dass Informationen in einen Zusammenhang miteinander gebracht werden, die an sich in keinem logischen oder natürlichen Zusammenhang stehen. Lebhaftigkeit von Bildern fördert deren Einprägbarkeit. Reim und Rhythmus wirken ebenfalls behaltensfördernd, dadurch wird zusätzlich zum bildlichen das akustisch-motorische Gedächtnis angesprochen. Farbe, sofern sie sparsam und eindeutig genutzt wird, ist vor allem im grammatikalischen Bereich sinnvoll mnemotechnisch einzusetzen. In der Lexik kann durch farbliche Markierungen die Aufmerksamkeit auf Ausnahmen, Schwierigkeiten oder Besonderheiten gelenkt werden. Die Einflüsse emotionell besetzter oder besonders bizarrer Gedächtnisbilder ist noch nicht eindeutig geklärt. Selbstgenerierte Bilder haben leichte Vorteile gegenüber vorgegebenen Bildern, da hier die eigene Kreativität besser angespornt wird. Dies trifft jedoch nur zu, wenn die Qualität der selbst geschaffenen Bildmetaphern ebenso hoch ist wie die der vorgegebenen. Im Fremdsprachenerwerb spielen Memotechniken insbesondere bei der so genannten Schlüsselwortmethode (SWM) eine Rolle.
Vokabellernen mit der SWM besteht aus zwei Teilen:
- Das zu lernende L2-Wort wird mit einem ähnlich klingenden L1-Wort (dem Schlüsselwort) assoziiert, z.B. zdánie (russ.: Gebäude) mit dawn (engl.: Dämmerung): akustische Assoziation.
- Das Schlüsselwort wird mit dem L1-Übersetzungswort durch ein inneres (mentales) Bild verbunden, z.B. der Vorstellung der in einem hohen Gebäude reflektierten Dämmerung: bildliche Assoziation.
Die SWM kann auch in ein Vokabel-Lernprogramm integriert werden. Es werden zur Notierung von Schlüsselwörtern in den Vokabel-Datensätzen zehn Felder zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus ist es möglich, eine Bilddatei einzubinden (und evtl. sogar in einer späteren Ausbaustufe mittels einer Subroutine des Programms selbst zu zeichnen), die die Bildassoziation repräsentiert. In der Abfragephase können, soweit vorhanden, entweder die Schlüsselwörter oder das Bild oder auch beides zusammen eingeblendet werden. Ähnlich wie andere Verknüpfungen wird sich dadurch die Verbindung von Wort und Bedeutung über das Schlüsselwort mit der Zeit so tief einprägen, dass sie auch ohne Computerprogramm wirksam sein wird.






